Das Herz pumpt das Blut durch unseren Körper. Die Herzklappen sorgen wie Ventile dafür, dass es nur in einer Richtung fließt
Die beiden Herzkammern pumpen in regelmäßigem Takt: Die linke Herzkammer transportiert sauerstoffreiches Blut über die Hauptschlagader (Aorta) in den Körperkreislauf. Die rechte Herzkammer pumpt das sauerstoffarme, aus dem Körper zurückfließende Blut über die Lungenschlagader in den Lungenkreislauf. Auf die Auswurfphase (Systole) folgt die Erholungsphase (Diastole) des Herzens, in der sich die Herzkammern wieder mit Blut füllen. Sie erhalten ihr Blut aus den beiden Vorkammern. Jeweils zwei Herzklappen in der rechten und linken Herzhälfte, die wie Ventile arbeiten, sorgen dafür, dass das Blut nur in einer Richtung fließt. (Mehr dazu im Kapitel "Herzklappen-Funktion").
Von einem Herzklappenfehler spricht man, wenn die Herzklappe durch eine Erkrankung nicht mehr richtig schließt (Klappeninsuffizienz) oder zu eng (Klappenstenose) geworden ist. Je nach Schweregrad des Klappenfehlers entwickelt sich allmählich oder akut eine Herzschwäche mit entsprechenden Symptomen. Die Diagnose eines Herzklappenfehlers wird heute in erster Linie mit der Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) gestellt. Die Entscheidung darüber, wie lange ein Klappenfehler konservativ – also mit Medikamenten – behandelt werden kann, und ab wann ein operativer Klappenersatz (oder eine Katheterintervention) erforderlich ist, muss individuell gefällt werden.
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Es wurde nämlich bei mir ein Mitralklappenvorfall festgestellt. Nun scheint auch noch die Herzscheidewand verdickt zu sein, was meine Kollapszustände erklären soll. Ist in diesem Fall eine Operation möglich?
Diese Frage ist sehr schwierig. Um sie angemessen beantworten zu können, müssten mehr Informationen vorliegen. Es sind eigentlich nur sehr seltene Ausnahmefälle, in denen eine Herzscheidewandverdickung und Mitralklappenerkrankung mit Prolaps als voneinander unabhängige Erkrankungen vorkommen. Unter einem Mitralklappenvorfall oder -prolaps versteht man ein mehr oder weniger ausgeprägtes Durchschlagen (Prolabieren) eines Mitralklappensegels in die linke Vorkammer, wenn die linke Herzkammer sich zusammenzieht und Blut von unten gegen die Mitralklappensegel drückt. Das zwischen der linken Vor- und Hauptkammer des Herzens gelegene "Klappenventil" besteht aus einem vorderen und hinteren "Segel". Den Namen "Mitralklappe" erhielt das Ventil einst wegen seiner Ähnlichkeit mit der Mitra, der "Bischofsmütze". Wenn der Halteapparat (Sehnenfäden) der Mitralklappe nicht mehr richtig funktioniert, kommt es zum Durchschlagen der Klappensegel, wie weiter oben beschrieben. Anlass zur operativen Wiederherstellung der Klappenfunktion ist nur dann gegeben, wenn eine schwere Undichtigkeit (Mitralinsuffizienz) besteht.
Eine Undichtigkeit an der Mitralklappe kann auch eine Begleiterscheinung bei Herzscheidewandverdickung sein. Bei dieser Erkrankung wird nämlich das vordere Mitralklappensegel durch den Sog, der durch den beschleunigten Blutfluss in der verengten Ausflußbahn der linken Herzkammer entsteht, in Richtung Herzscheidewand „gesaugt“. Die hierdurch entstehende Undichtigkeit an der Mitralklappe ist gewöhnlich leichteren Grades. Falls wirklich eine Operation der Herzscheidewand notwendig wäre, so würde in diesem Fall auch das Problem an der Mitralklappe gelöst sein.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: W&B/ Bernhard Huber, Fotolia/Sebastian Kaulitzki/2009
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