gestörter Einbau von Mineralstoffen in die Grundsubstanz des Knochens. Aufgrund der dadurch fehlenden Verkalkung bleibt der Knochen weich und verbiegt sich. Beim Kind heißt die Knochenerweichung Rachitis (Englische Krankheit), beim Erwachsenen Osteomalazie. Die Rachitis tritt in Deutschland kaum noch auf, v. a. aufgrund der bei Säuglingen routinemäßig verordneten Rachitisprophylaxe. Insbesondere bei kleinen Kindern und älteren Menschen müssen genügend Sonneneinstrahlung und eine ausgewogene Ernährung sichergestellt sein.
Ursache: In den meisten Fällen liegt eine Störung im Vitamin-D-Stoffwechsel vor. Diese kann bedingt sein durch Eiweißmangelernährung, Beinträchtigung der Nährstoffaufnahme im Magen-Darm-Trakt oder zu wenig UV-Licht, das der Körper zur Bildung von Vitamin D braucht.
Auch bei Nieren- und Leberkrankheiten kann die Bildung von Vitamin D beeinträchtigt sein. Selten sind primär Vitamin-D-unabhängige Störungen wie der Phosphatdiabetes. In leichter Form kann die Knochenerweichung in der Schwangerschaft und der Stillperiode auftreten.
Befund: Beim Kind kommt es zum verzögerten Verschluss der Schädelnähte oder zur Erweichung der Schädelknochen (Kraniotabes), zu Auftreibungen der Knorpel-Knochen-Grenze der Rippen (rachitischer Rosenkranz) und zu verzögertem Zahndurchbruch und Neigung zu Karies. Bei Kindern und Erwachsenen resultieren Verformungen des gesamten Skeletts, insbesondere Verbiegungen der Wirbelsäule, Umformung des Beckens und Verkrümmungen der Oberschenkelknochen, meist mit O-Beinen. Die Betroffenen leiden dadurch unter Schmerzen, die v. a. bei Belastung auftreten. Zusätzlich kommt es vorwiegend bei Kindern zu unspezifischen Symptomen wie Unruhe, erhöhter Reizbarkeit und schlaffer Muskulatur; selten treten auch Krampfanfälle auf. Im Röntgenbild sind die typischen Knochenveränderungen gut zu sehen, im Blut sind die Konzentrationen von Kalzium, Phosphat und alkalischer Phosphatase verändert.
Behandlung: Neben der Therapie der Grunderkrankung werden Vitamin-D- und Kalzium-Präparate verordnet. Die Wirbelsäule kann mit einem Korsett stabilisiert werden, Knochenfehlstellungen bedürfen manchmal einer operativen Korrektur. Insbesondere bei kleinen Kindern und älteren Menschen müssen genügend Sonneneinstrahlung und eine ausgewogene Ernährung sichergestellt sein.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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