Beeinträchtigungen der Stimme, der Sprachverarbeitung oder der Aussprache.
Stimmstörungen
Darunter versteht man die krankhaften Veränderungen des Klangs sowie der Leistungsfähigkeit der Stimme. Grundsätzlich können den Stimmstörungen Veränderungen im Nasen-Rachen-Raum und am Kehlkopf, aber auch psychische Faktoren sowie hormonelle und innere Erkrankungen zugrunde liegen. Bei der Dysphonie stehen Heiserkeit und Veränderungen der Stimmlage im Vordergrund, häufig bedingt durch eine Überbeanspruchung des Stimmapparates. Bei völlig tonloser Stimme, die höchstens noch ein Flüstern zulässt, spricht man von einer Aphonie, die aus einer Dysphonie heraus entstehen kann, der aber auch organische Ursachen, z. B. Stimmlippenknötchen, oder ein psychisches Trauma zugrunde liegen können. Die Behandlung der Stimmstörungen erfolgt bei einer einfachen Überbeanspruchung mit entzündungshemmenden Medikamenten, bei organischen Befunden chirurgisch. Eine logopädische Stimmtherapie sollte zusätzlich erfolgen.
Sprach- und Sprechstörungen
Bei älteren Kindern und Erwachsenen stehen Veränderungen der an der Sprach- und Hörfunktion beteiligten anatomischen Strukturen, psychische Ursachen, insbesondere aber auch neurologische Erkrankungen als verursachende Faktoren im Vordergrund.
Sprachentwicklungsstörungen: Sie machen sich bei Kleinkindern nach dem 18. Lebensmonat durch verlangsamte, fehlerhafte oder völliges Ausbleiben der Sprachentwicklung bemerkbar. Für die verzögerte Sprachentwicklung ist, wie z. B. bei der Alalie mit fehlerhafter Lautbildung, nicht selten eine Hörstörung verantwortlich, die durch Hörgeräteversorgung und logopädische Behandlung positiv beeinflussbar ist. Von einem Sprachfehler im eigentlichen Sinne wird erst nach Abschluss des Spracherwerbs, also etwa im Grundschulalter, gesprochen.
Artikulationsstörungen: Zu den Artikulationsstörungen, die mit einer fehlerhaften Bildung der Sprachlaute einhergehen, gehört das Stammeln (Dyslalie), wobei einzelne Laute ausgelassen oder falsch gebildet bzw. durch andere ersetzt werden. Relativ häufig ist das Lispeln mit einer Beeinträchtigung der Bildung der S-Laute (Sigmatismus). Vor dem Grundschulalter sind derartige Auffälligkeiten meist nicht behandlungsbedürftig, später sollte nach ärztlicher Beurteilung (Pädaudiologie) eine logopädische Behandlung erfolgen.
Resonanzstörung: Eine typische derartige Störung ist das Näseln (Rhinophonie, Rhinolalie), das z. B. durch eine Gaumenspalte, Schnupfen und vergrößerte Rachenmandeln verursacht wird. Die Behandlung erfolgt je nach Grunderkrankung entweder operativ, medikamentös oder durch logopädische Therapie.
Redeflussstörungen: Am bekanntesten ist das Stottern, das sich meist vor dem 8. Lebensjahr manifestiert. Dabei kommt es zu einer Unterbrechung des Sprachflusses mit Wiederholung von Lauten, Silben oder Worten. Meist ist die Ursache nicht genau einzugrenzen. Ein Zusammenhang mit psychisch belastenden Situationen scheint zu bestehen, sodass zusätzlich zur logopädischen Behandlung oftmals auch eine psychologische Begleitung erfolgt. In seltenen Fällen kann dem Stottern auch eine hirnorganische Störung zugrunde liegen. Bei der Dysarthrie, die meist auf einer neurologischen Erkrankung beruht, kommt es zu undeutlicher bis nahezu unverständlicher Aussprache sowie zu Störungen des Redeflusses z. B. mit Skandieren, d. h. langsamem, abgehacktem Sprechen.
Symbolfunktionsstörungen: Diese Störungsbilder sind durch eine Beeinträchtigung der höheren (symbolischen) Leistungen der Sprache gekennzeichnet und betreffen deshalb neben dem Sprechen auch das Verstehen der gesprochenen Sprache, das Lesen und Schreiben. Den dazu zählenden Aphasien liegt ursächlich eine Schädigung der Sprachzentren der linken Hirnhälfte nach abgeschlossener Sprachentwicklung zugrunde, meist infolge eines Hirninfarkts oder einer Blutung. Die schwerste Form stellt die globale Aphasie dar, bei der kaum noch eine Sprachproduktion möglich ist. Bei der motorischen Aphasie (Broca-Aphasie) bleibt das Sprachverständnis weitgehend erhalten, allerdings bereitet das Sprechen Mühe und erfolgt nur im Telegrammstil. Die sensorische Aphasie (Wernicke-Aphasie) ist gekennzeichnet durch weitgehend flüssige Äußerungen, wobei die Wörter jedoch kaum einen Sinn ergeben (Worttaubheit). Bei der amnestischen Aphasie kommt es in erster Linie zu Wortfindungsstörungen, wobei der gesuchte Begriff nicht gefunden und deshalb durch andere umschrieben wird. Eine leichte Ausprägung aphasicher Symptome nennt man Dysphasie. Durch eine intensive Sprachtherapie kann bei der Aphasie eine deutliche Verbesserung der sprachlichen Leistungen erreicht werden. Aphasieähnliche Bilder können auch im Rahmen einer Dysphrasie als einer ebenfalls vom Gehirn ausgehenden Sprachstörung vorkommen. Sie ist gekennzeichnet durch Veränderungen von Sprachrhythmus und Sprachtempo sowie durch häufige Grammatikfehler, Wortwiederholungen und Wortneubildungen.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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