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Auswärtsgedrehtes Lid (Ektropium)

Ein nach außen gewendetes Lid – meistens ist es das Unterlid – heißt Ektropium. Das Auge ist gereizt und tränt. Die rechtzeitige Operation wendet weiteren Schaden ab


Ektropium: vor (links) und nach Operation

Was ist ein Ektropium?

Als Ektropium wird ein vom Augapfel abstehendes, nach auswärts gewendetes und abgesenktes Lid bezeichnet. Meistens ist das Unterlid betroffen. Augenärzte unterscheiden sechs verschiedene Formen. Am häufigsten ist das altersbedingte Ektropium. Es entsteht, weil das Lidgewebe im höheren Alter erschlafft. Häufige Folgen sind das Tränenträufeln – die Tränen fließen über den Lidrand ab –, eine Bindehautentzündung mit einem geröteten und trockenen Auge, eventuell auch eine Hornhautentzündung. Das Sehen kann beeinträchtigt sein. Die Lidfehlstellung stört Betroffene aber nicht nur wegen der Beschwerden, sondern auch kosmetisch.

Der Augenarzt stellt das Ektropium auf den ersten Blick fest. Als Therapie eignen sich bei milden Formen benetzende Augenmedikamente. Eine Korrektur ist nur operativ möglich. Sie sollte rechtzeitig erfolgen, denn je länger ein Ektropium besteht, desto mehr Probleme sind zu erwarten. Sie machen den Eingriff auch komplizierter.


Prof. Dr. med. Klaus G. Riedel

UNSER EXPERTE: Prof. Dr. med. Klaus G. Riedel, Facharzt für Augenheilkunde

Ursachen: Augenärzte unterscheiden ein Ektropium im höheren Alter (seniles, involutives oder atonisches Ektropium), ein narbenbedingtes Ektropium und ein paralytisches Ektropium aufgrund einer Lähmung (Paralyse) des Gesichtsnervs. Außerdem kann ein Ektropium mechanisch oder durch einen Tumor bedingt sein. Selten ist es angeboren oder unerwünschte Folge einer Lidoperation.

Symptome: Die Augen sind gereizt und tränen. Die frei liegenden Bereiche der Bindehaut und Hornhaut trocknen aus. Es kommt somit zu einem trockenen und geröteten Auge. Besteht ein Ektropium länger, entwickelt sich eine chronische Entzündung der Bindehaut und Hornhaut (chronische Konjuktivitis und Keratitis). Das Sehen wird durch die verschiedenen Faktoren beeinträchtigt oder gefährdet.

Diagnose: Das Ektropium erkennt der Arzt auf Anhieb. Um zu beurteilen, ob die Lidfehlstellung die Bindehaut oder Hornhaut geschädigt hat, überprüft er die vorderen Augenabschnitte an der „Spaltlampe“ (Untersuchungsmikroskop). Eine Sehschärfenprüfung sollte immer zur Augenuntersuchung gehören. Bei Bedarf schließen sich weitere Untersuchungen an.

Therapie: Benetzungsmittel in Form von Augentropfen, -gels und -salben halten die Augenoberfläche feucht und können die Beschwerden lindern. Hauptziel ist jedoch die Behandlung der Ursache. Bei einem altersbedingten Ektropium können verschiedene Operationen die verminderte Lidspannung erhöhen, die Lidfehlstellung dadurch korrigieren und Augenschäden vorbeugen.
Ein Ektropium aufgrund einer Gesichtslähmung (der sogenannten idiopathischen peripheren Fazialislähmung) bildet sich oft spontan zurück. Bis dahn kann jedoch einige Zeit vergehen. Bei fortbestehender Lähmung gefährdet vor allem der unzureichende Lidschluss die Hornhaut. Daher sind verschiedene, manchmal auch operative Maßnahmen notwendig, um sie besser zu schützen und eingetretene Schäden abheilen zu lassen.

Auch dann, wenn Narben für ein Ektropium verantwortlich sind, kann eine geeignete Operation das verzogene Lid in die richtige Stellung bringen. Lidtumoren als Ursache eines Ektropiums werden ebenfalls chirurgisch behandelt. Die selten vorkommende angeborene Fehlstellung des Lides verschwindet oft von alleine. Manchmal hilft auch eine sanfte manuelle Lidmassage. Insbesondere wenn ein Ektropium zusammen mit anderen angeborenen Fehlbildungen auftritt, ist eine operative Korrektur sinnvoll.


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 27.01.2011, aktualisiert am 03.08.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Klaus G. Riedel

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