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Kribbeln / Taubheitsgefühle

Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl an den Gliedmaßen, im Gesicht und an anderen Körperstellen deutet auf Störungen in den Nerven oder auf mangelnde Durchblutung hin. Auch psychische Ursachen kommen infrage


Wie tausend kleine Stiche: Auch so können sich Gefühlsstörungen in Füßen und Händen äußern

Viele kennen das Gefühl, wenn sie draußen im Winter bei frostigen Temperaturen unterwegs waren und die Hände zu kalt wurden. Sie sind dann wie taub, man hat kein Gefühl mehr in den Fingern. Kommt man anschließend ins Warme, „tauen“ die Finger auf, pochen und kribbeln schmerzhaft. Die Empfindung in den Spitzen und an der Hautoberfläche kehrt wieder zurück. Durch die Kälte haben sich die Gefäße zusammengezogen, die Finger wurden schlechter durchblutet. Wären sie noch länger eisigen Temperaturen ausgesetzt gewesen, hätte es zu ernsten Erfrierungen kommen können, bei denen das betroffene Gewebe abstirbt.

Kribbeln ist eine Empfindung an der Körperoberfläche, die über sensible Nerven (-endigungen) in der Haut vermittelt, über sensible Nervenbahnen weitergeleitet und im Gehirn wahrgenommen wird. Dabei ist kein direkter äußerer Reiz erkennbar. Unangenehmes Kribbeln als Krankheitssymptom wird durch „falsche“ beziehungsweise krankhafte Reize ausgelöst, etwa weil die zuständigen Nerven in dem betroffenen Bereich geschädigt sind. Die Leitungsbahnen sind dann überaktiv. Die Missempfindung kann auf unterschiedlichen Hautstellen auftreten, an Armen und Beinen, in den Händen, Fingern, Füßen und Zehen, im Kopf- und Gesichtsbereich. Sie äußert sich auch als Ziehen, Stechen oder Jucken. Manche Betroffene schildern das Gefühl als brennend oder elektrisierend. Das Kribbeln geht mitunter Taubheitsgefühlen voraus oder folgt ihnen nach.


Taubheitsgefühle treten meisten in den Gliedmaßen, im Gesicht oder an bestimmten Körperstellen auf. Wer länger in einer bestimmten Position verharrt, zum Beispiel mit angezogenen Beinen sitzt, dem „schlafen“ die Beine ein. Druck auf die Nerven kann solche harmlosen Ausfälle verursachen, die wieder verschwinden, wenn das Bein wieder bewegt wird. Im Krankheitsfall weisen Taubheitsgefühle auf eine Unteraktivität, einen Funktionsverlust in den betroffenen Bereichen hin, etwa in den Füßen. Taubheitsgefühle, wenn sie sich etwa auf eine ganze Körperseite beziehen, können auch ein Alarmzeichen sein, zum Beispiel für einen Schlaganfall.

Bei Kribbeln und Taubheitsgefühlen sprechen Mediziner von Sensibilitätsstörungen, Gefühls- oder Empfindungsstörungen. Diese können vielfältige Ursachen haben. Die Schädigung kann in den betroffenen Stellen selbst liegen, aber auch in übergeordneten Körperbereichen. So äußern sich etwa Probleme an der Halswirbelsäule nicht selten in kribbelnden Fingern oder Händen.

Häufige Ursachen für Kribbeln und Taubheitsgefühle

Hier kommen Störungen in den Blutgefäßen, in den Nervenbahnen sowie im Rückenbereich infrage, vor allem an der Halswirbel- und Lendenwirbelsäule. Auch dabei geben letztlich oft Durchblutungs- oder Nervenschädigungen – in diesem Fall in einem bestimmten Areal – den Ausschlag.

Die Beeinträchtigungen im Nervensystem können sich auf das periphere Nervensystem beziehen, wenn mehrere Nerven gereizt, entzündet oder geschädigt sind (Polyneuropathie). Das kann direkt an der betroffenen Stelle geschehen, im weiteren Bereich oder im Rückenmarkskanal. Ungleichgewichte im Stoffwechsel spielen ebenfalls eine Rolle. Das periphere Nervensystem besteht aus Bewegungs- und Empfindungsnerven, die Befehle vom Gehirn an den Körper und Signale vom Körper an das Gehirn leiten.

Auch das Zentralnervensystem in Gehirn und Rückenmark kann in Mitleidenschaft gezogen sein. Durchblutungsstörungen, Verletzungen und Infektionen spielen dabei eine wichtige Rolle, ebenso wie Abbauvorgänge oder Entzündungen im Gehirn.
Weitere Verursacher können je nach Krankheitsbild zudem Hauterkrankungen, Erfrierungen oder Verbrennungen sein. Allergische Reaktionen, Unverträglichkeiten, aber auch psychische Auslöser wie Angst- und Panikattacken rufen ebenfalls oft Gefühlsstörungen hervor.

Gewisse Hinweise geben manchmal schon die Körperstellen, an denen die Missempfindungen auftreten:

Finger und Hände

Falsche Haltung der Hände, zum Beispiel beim Radfahren, wenn die Handgelenke am Lenker abgeknickt sind und dadurch Nerven eingeklemmt oder gedrückt werden, führt zu kribbelnden Fingern oder Taubheitsgefühlen (Ulnartunnelsyndrom oder „Radfahrerlähmung“).

Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Mittelhandnerv, der durch einen Kanal in der Nähe des Handgelenks läuft, abgedrückt. Dies verursacht häufig ein Kribbeln in der Hand, am Daumen und Zeigefinger, das bis in den Unterarm ausstrahlen kann. Ähnliche Beschwerden durch Kompression bestimmter Nerven kommen beispielsweise auch am Fuß oder der Hüfte vor (siehe unten).

Bei Polyneuropathien, also Erkrankungen im peripheren Nervensystem, die als Folge eines Diabetes, von chronischem Alkoholmissbrauch, Infektionen sowie Vergiftungen entstehen können, zeigen sich die Beschwerden typischerweise an beiden Händen und Füßen, oft auch an den Unterschenkeln.

Folge eines Schleudertraumas an der Halswirbelsäule können Taubheitsgefühle in Fingern, Händen und auf der Haut sein. Verspannungen und Schäden an der Halswirbelsäule können neben Schmerzen ebenfalls kribbelnde oder taube Finger verursachen.

Weitere Auslöser können in Blutbildveränderungen liegen, zum Beispiel bei einem auffälligen Anstieg der roten Blutkörperchen im Rahmen einer Polyzythämia vera, sowie in hormonellen Störungen, etwa einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse. Dann tritt das Kribbeln oft auch in den Füßen, Zehen und im Mund auf. Missempfindungen an den Händen, Füßen und Beinen können zudem Zeichen eines Vitamin-B12-Mangels sein, der auch zu einer Blutarmut führen kann.

Eine Höhenkrankheit kann als Folge des zu raschen Aufstiegs Kribbeln in Händen und Füßen auslösen.

Arme, Schulter

Hier kommen neben dem Karpaltunnelsyndrom eine Schulterverenkung, die Folgen eines Schlüsselbeinbruchs, Wirbelsäulen-, speziell Halswirbelsäulenprobleme und Muskelverspannungen infrage. Auch Druckeinwirkung, zum Beispiel durch einen tief liegenden Bluterguss, auf Nerven und Gefäße in den betroffenen Bereichen kann die Missempfindungen auslösen. Kribbeln an den Armen kann außerdem Vorbote eines Migräneanfalls sein.

Kopf, Gesicht, Nacken, Mund

Ein Migräneanfall kann sich auch durch ein Kribbeln „im Kopf“ bzw. im Gesicht ankündigen. Weitere mögliche Auslöser: Durchblutungsstörungen im Gehirn, Angst- oder Panikattacken, Tumoren im Gehirn.

Im Gesicht: Störungen an den Gesichtsnerven, Verbrennungen oder Erfrierungen. Seltene Ursache kann ein Tumor am Gehör- oder Gleichgewichtsnerv auf der betroffenen Seite sein. Multiple Sklerose ruft bisweilen Taubheitsgefühle im Gesicht und in den Gliedmaßen hervor.

Im Nacken: Probleme oder Verletzungen an der Halswirbelsäule beziehungsweise an den zuständigen Nervenbahnen oder Gefäßen. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten (wie Glutamat- oder Glutenunverträglichkeit) können in diesem Bereich zu Missempfindungen führen.

Mund, Zunge: Fieberblasen (Herpes simplex), Unterfunktion der Nebenschilddrüsen, Allergien oder eine Vermehrung des Kaliumgehalts im Blut, etwa bei Nierenversagen. Auch eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes (Alkalose), zum Beispiel durch Hyperventilieren während einer Panikattacke, löst Kribbeln an den Lippen sowie in den Fingern aus. Dazu kommen typischerweise Atembeschwerden, Verkrampfungen an Händen und Lippen, Zittern und Muskelschmerzen.

Nase, Ohren: Durchblutungsstörungen, zum Beispiel bei der Raynaud-Krankheit (bzw. dem Raynaud-Syndrom als Begleiterkrankung), die häufig die Hände betrifft, aber auch Nase und Ohren. Die Hände werden schubweise blass und gefühllos, schmerzen mitunter und kribbeln am Ende des Anfalls.

Beine, Füße, Zehen

Kribbeln und Taubheit in den Beinen kann auf vielfältige Störungen hinweisen. Zu den häufigsten Beispielen zählen: Durchblutungsstörungen, Gefäßverschlüsse in den Beinen, dabei werden auch die zuständigen Nerven ungenügend durchblutet. Restless Legs (schmerzhaftes Kribbeln in den Beinen, vor allem nachts, das eine Bewegungsunruhe auslöst und sich dann beim Umhergehen auch bessert), im Zusammenhang damit möglicherweise ein Fibromyalgiesyndrom (eine chronische Schmerzkrankheit, die meist die Gelenke und den Bewegungsapparat betrifft).

Auch am Fuß kommen Nervenverengungssyndrome wie das Karpaltunnelsyndrom vor, wobei ganz unterschiedliche Nerven betroffen sein können. Meist einseitige Gefühlsstörungen am Oberschenkel vorne und in der Hüftgegend weisen eventuell auf ein Leistentunnelsyndrom (Meralgia paraesthetica) hin, auch "Jeanskrankheit" genannt. Druck im Leistenkanal – zum Beispiel durch Übergewicht, aber auch zu enge Kleidung wie eben Jeans – schädigt hier den Oberschenkelhautnerv.

Ebenfalls oben auf der Liste möglicher Auslöser stehen Alkoholmissbrauch, Mangelzustände (Magnesium-, Eisenmangel), perniziöse Anämie (vor allem der Vitamin-B12-Mangel), Nebenschilddrüsenunterfunktion.

Zu den Anfangsbeschwerden einer Multiplen Sklerose gehören oft Gefühlsstörungen in den Beinen.

Weitere Krankheitsursachen im Zentralnervensystem: Epilepsie, Parkinson, Hirntumoren.
Probleme im Wirbelsäulenbereich führen häufig zu Missempfindungen in Beinen und Füßen. Dazu gehören: Muskelverspannungen im Kreuz, Bandscheibenvorfall, Rückenmarksverletzungen oder -schädigungen.

Eine der gefürchteten Folgeerkrankungen des Diabetes ist die Neuropathie, eine Schädigung der Nerven, die zu Empfindungsstörungen in den Beinen und Füßen führt. Dieses Problem ist oft auch Teil des diabetischen Fußsyndroms.

Unterschiedliche Körperbereiche

Verbrennungen, Erfrierungen, Gürtelrose, Allergien, Giftstoffe (zum Beispiel Insektizide, Lösemittel), Medikamente (zum Beispiel zur Chemotherapie, auch Diuretika, Blutdrucksenker), Angststörungen. Auch eine chronische Druckluftkrankheit (Caisson- oder Taucherkrankheit) führt häufig zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen.

Eine Körperhälfte

Taubheitsgefühle können hier Alarmzeichen für einen Schlaganfall sein. In diesem Fall ist es lebenswichtig, sofort zu reagieren und den Notarzt zu alarmieren! Ansonsten können auch andere Schädigungen des Gehirns und des oberen Rückenmarks (Halsmark) verantwortlich sein.

 

Diagnose: Den Missempfindungen auf der Spur

Erster Ansprechpartner bei Sensibilitätsstörungen ist der Hausarzt. Er wird die Beschwerden genauer eingrenzen und gegebenenfalls mit verschiedenen Tests prüfen, ob Kälte- oder Wärmereize, Druck oder Berührung wahrgenommen werden und wie das Vibrationsempfinden ist. Damit prüft er zum Beispiel Taubheitsgefühle an den Füßen, um mögliche Folgeschäden bei einem vorliegenden Diabetes abzuklären.

Kribbeln als Symptom allein genügt oft nicht, um die Ursache festzustellen. Dann helfen weitere Beschwerden auf die Spur, wie etwa Schmerzen, Hautverfärbungen, zusätzlich Krämpfe oder bestimmte Bewegungsstörungen. Auch ist wichtig, an welcher Stelle genau, zu welcher Zeit – zum Beispiel nachts – und in welcher Situation die Missempfindungen und eventuelle Begleitsymptome auftreten. Je nach Verdachtsdiagnose wird der Hausarzt einen Facharzt wie einen Internisten, Neurologen, Orthopäden oder Hautarzt hinzuziehen.

Die Behandlung richtet sich nach dem zugrunde liegenden Krankheitsbild.

Vorbeugen mit einem gesunden Lebensstil

Vor allem körperliche Bewegung und der Verzicht auf Nikotin helfen, Durchblutungsstörungen vorzubeugen und die Nervensysteme gesund zu erhalten. Sport und Haltungstraining stärken die Rückenmuskulatur, die Arm- und Beinmuskeln und sorgen für eine gute Durchblutung. Davon profitieren auch Herz und Gehirn.

Für Diabetiker ist es wichtig, den Blutzuckerspiegel im Lot zu halten, um Nerven- und Gefäßschäden aufzuhalten. Auch bei schon eingetretenen Nervenerkrankungen gehört ein gezieltes Bewegungstraining mit zur Behandlung.

Rückenleiden lassen sich durch spezielle Übungen lindern oder heilen.


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 11.02.2009, aktualisiert am 13.09.2011
Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

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